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Liebe im Park (Chapter 16)

 

Wenn wir gerade beim Erzählen von Festivalgeschichten sind, darf der Love Family Park natürlich nicht fehlen.

 

Im Jahre 1996 erhielt er seinen Startschuss. Eine Bühne…Babba Väth all day long…das waren die Erfolgszutaten für eines der größten Tagesfestivals im heutigen Technokalender.

 

Auch wenn der ursprüngliche Name „Love Park“ aufgrund von Namensrechten in „Love Family Park“ geändert werden musste, steht das Festival auf den Hanauer Festwiesen an jedem ersten Juliwochenende des Jahres für eine heutzutage perfekt kommerziell durchgestylte Tagesveranstaltung. Mittlerweile kommen fast 20.000 Besucher auf den nunmehr 4 Bühnen zusammen und wissen eigentlich gar nicht mehr, welchen Künstler sie am Ende auf welcher Bühne gesehen bzw. gehört haben. Und das liegt nicht am Konsumverhalten des gemeinen Festivalbesuchers. Nach meinem Besuch im vergangenen Juli hat der Park für mich auch einen faden, weil völlig überreizten Beigeschmack bekommen.

 

Heuer steht der Park allerdings nur bedingt unter dem Stern der Liebe. Für den Flaver zumindest. Nach den ersten Trennungsgedanken seitens Jensen hat er sich mehr oder weniger zerissen, wie Fußball Lehrer jetzt vielleicht einwerfen würden. Die Einladung zum Love Park war fast eine Art von Verzweiflungstat. Dass sie sich in den Tagen davor nicht gerade vorteilhaft verhalten hatte, war bereits für einen Tag voller Sonne, Liebe und Mussik zu den Akten gelegt worden. Und trotzdem hätte bereits an dieser Stelle alles zu Ende sein können. Völlig zerknittert nach bereits drei durchzechten und verheulten Tagen und Nächten stand der Flaver definitiv auf der Spitze der Schippe „Herzinfarkt“, als er auf dem Untertürkheimer Bahnhof beim Hereinfahren der S-Bahn die erlösende Nachricht von Ihrem Erwachen bekam und dass Sie irgendwie noch pünktlich zur Abfahrt erscheinen wolle.

 

Auf der Hinfahrt verbrüdert man sich mit den beiden anderen unentschlossen, unglücklichen und steuert alles in allem doch noch auf einen vielleicht die Liebe wiederbringenden Tag unter den Hanauer Autobahnbrücken zu.

 

Eine gesunde Vorbereitung auf einen solch anstrengenden Tag sieht natürlich anders aus. Also noch mehr Aufputschmittel zu sich nehmen…irgendwie werden Mussik, Titten und Ecstasy die Synapsen schon erreichen. Ein kleiner, nicht zu verniedlichender Disput mit einem Rollstuhlfahrer um einen auf dem Boden liegenden Zehn Euro Schein und eine sehr lasche Eingangskontrolle später geht’s dann auch schon los. Was hatte mich nur geritten, als ich dachte mit zurecht geschnittenem Konsum echte Emotionen erzeugen zu können?!?

 

Der Tag wurde zur mittleren Katastrophe. Marc brachte das Kunststück fertig, seine Kreditkarte schon direkt nach Einlass zu verlieren und als der Flaver nach einigen vielen und nervtötenden Telefonaten Geld auf seine PrePaid Mastercard gebucht hatte, bekam er auf einem der größten europäischen Festivals nur ein verschämtes „Sorry, nur Cash oder EC“ zu hören! Also erstmal zwei Stunden das Gelände nach Bekannten absuchen und Geld zusammen leihen…für VIER Personen! Der halbe Android entfaltete sich just auf dem Toilettengang danach.

 

Nina Kravitz im Auslauf und der direkt darauf folgende Ben Klock bescherten dem Flaver die schönsten 90 Minuten des Tages. Danach schlug dann auch der ansonsten so hart gesottene Kreislauf des Flavers Alarm. Die Pausen auf den Hanauer Festwiesen wurden länger, der aufmerksame Umgang mit der Mussik weniger. Und Jensen war sowieso so weit weg, wie ein Liebespaar nur auseinander sein konnte. Angenehmer Nebeneffekt des Rausches ist in diesem Falle allerdings die Nichtbeachtung dieser Signale und der ständigen Enttäuschung.

 

Also nur noch rechtzeitig den Ausgang finden, sich zu Tode ärgern, dass man dreißig Euro in den Mülleimer schmeißen muss, weil das Pfandrücknahmesystem schlichtweg ein schön gefärbter, groß angelegter Betrug ist und seinen Sitz im Bus einnehmen.

 

Doppelt versagt „Love Park“! Du bist raus!