New Stories from Flaver


 

Das Berlin Massaker

 

Mark Reeder’s “The B Movie - Lust & Sound in Berlin” traf den Nagel auf den Kopf. Eine extrem authentische und intensive Dokumentation über das (West-) Berlin der 80er Jahre, die mit Sicherheit nicht nur mich noch einmal 35 Jahre zurück gefegt hat. Was hat diese Stadt nicht alles mitmachen müssen. Durch die industrielle Revolution in 30 Jahren zwischen 1830 und 1860 von 30.000 auf 400.000 Menschen bevölkert. Dann Reichs- und zweimal Kriegshauptstadt. Insel der Demokratie und des Kapitals in der Zeit der sowjetischen Besatzung. Nase an Nase standen sie. Die Amis und die Russen am Checkpoint Charlie. Mehrfach rauchten bereits die Kanonenrohre der Panzer, wenn die Herren Chruschtow, Breschnew, Kennedy und Johnson mit den Säbeln rasselten. Nein, eine Mauer wollte Herr Ulbricht nicht bauen. Und kaum war der Soldat ohne Namen über die Stacheldrähte gesprungen, wurde der Osten eingemauert. Den kalten Krieg im Nacken zeichneten 25 Jahre lang die Studenten, Lebenskünstler, Freidenker & Kriegsdienstverweigerer den Weg.

 

30 Jahre später dann kam der Techno. Und auf einmal schien alles guud zu werden. Wer heute in die Hauptstadt kommt, weiß, daß nicht alles gut und zu blühenden Landschaften geworden ist…

Aber gerade dieses Sammelsurium und Auffangbecken hunderttausender Kreativer, Freigeister, Assozialer...zeigt immer wieder aufs Neue, dass auch unsere gnadenlose Konsumgesellschaft am untersten Rand in ständigem Auf- & Umbruch steht.

 

Genug gefaselt. Der Flaver hatte seine Lieben um sich geschart, um nach einiger Zeit mal wieder den elektronischen Zirkus bei Tag und bei Nacht rund um seinen Geburtstag zu erleben! Und was dann kam, geht in die unbekannten Geschichte von Berlin ein. Ein Massaker, welches nur in Ausschnitten rückblickend zusammen gefasst werden kann. 

Ankunft Mittwoch Abend. Nachdem die Bahn & Busfahrer zum Teil bereits eingetroffen sind und das gemietete Appartment bereits in Beschlag genommen haben, gestaltet sich für den Dicken und den Alten der Ankommenteil etwas schwierig. Die Hausnummer ist im unbebauten, bebauten und sich im Bau befindlichen Areal rund um den Ostbahnhof nicht zu finden. Erst einige Telefonate und erste Nervenzusammenbrüche später gibt’s dann das große Hallo. Erste Feststellung: das Berghain ist gerade einmal einen Steinwurf entfernt! Aber der Flaver will sich nicht gleich am ersten Abend Blöße geben und entscheidet sich für einen gechillten Abend mit Boris Auxilio, während die große Gruppe dem Wummern aus dem Tresor erliegt.

Selbstverständlich endet der gechillte Abend in einem Feuerwerk aus Speed, Gras, Haschisch, BlaBla und Pink Floyd. Erstmal noch kurz Frühstück organisieren, bevor der Rest zuhause einfällt…

Was steht an? Schlafen kommt vorerst nicht in die Tüte und es wollen Souvenirs für die Schwestern und Freunde daheim organisiert werden. Ein wenig von der Stadt sehen - durchaus auch noch zu überlegen. Bindfadenregen und lausige 9 Grad machen diesem Vorhaben allerdings schnell einen STrich durch die Rechnung. Souvenirs kaufen, essen und das Käthe Kollwitz Denkmal fotografieren müssen reichen…

 

10 Leute in einem Drei Zimmer Appartment. Das ergibt nicht nur lebendiges Treiben, Gekoche und Gekicher, Warteschlangen vor dem Badezimmer, ständig wechselnde Musik oder fliegender Wechsel in den 6 Betten...das ergibt auch schnell gute Pläne und eine gewisse Eigenständigkeit aller Personen, denn alle bekommt man selten unter einen Hut. Das noch zwei Leute sich in der Anreise befinden und Infos zur Unterkunft und Aufmachservice benötigen gerät da natürlich schnell mal in Vergessenheit. Und daher zählen wir die 2 Stunden Schlaf des Flavers am Abend nur als Randnotiz. Allerdings sollten es die vorerst letzten gewesen sein!

 

Karaoke ist zum Reinfeiern in den Geburtstag angedacht. Gott sei Dank ist mit Susanne ja ein Local mit an Bord, der sich vorab bereits um eine gescheite Karaoke Bar incl. Reservierung bemüht hat. Hier versagen die Künste von google Maps allerdings wohl rudimentär! Man trägt das Etablissment und seine Ausstattung bzw Service aber mit Fassung und feiert trotzdem einen lexendären Geburtstag und Auftakt in das Wochenende! Wann immer und wo immer seitdem Bohemian Rhapsody erklingt, singt Boris irgendwie ein bißchen mit!

 

Wilde Renate...ein Schuppen der irgendwas mit Crack hieß zum guten Morgen...fließender Übergang in den Freitag und es kommt was kommen musste. Tara, Erika & der Flaver biegen ins Berghain ab. Is ja auch so schön nah...bekommt man gar kein schlechtes Gewissen mehr oder weniger gar nich zu Hause gewesen zu sein. Tara beginnt das bunte Kotzen mit einem beherzten Strahl ins dunkle der Eingangshalle. Seth Troxler killt die Panorama Bar. Fremde Menschen und Gesichter zucken, die Bumsboxen sind nicht zum Speed ziehen geeignet - zu hoch ist die Wahrscheinlichkeit mit Flüssigkeiten in Kontakt zu kommen - Erika checkt den Barkeeper ab. Der Flaver rettet eine Irin vor einem MDMA Lover und der Samstag ist bereits 14 h alt, als die Crew inclusive Irin das Appartment erreicht. Was dort folgt, geht als die Ketaschlacht im Friedrichshain in die Annalen. Englisch geht einem ketaminiert leichter über die Lippen, der irische Gast erreicht noch Ihr Flugzeug nach Hause um 19.45 Uhr. Über alles Weitere legen wir behutsam den Mantel des Schweigens. Kann eh keiner drüber lachen, der nich dabei war…

 

Jetzt isses Samstag Nacht 4 Uhr irgendwas und der Flaver wacht im Bett auf, hustet sich kurz fast die Bronchien aus dem Leib und erkennt die Lage. Watergate und Keine Musik label Nacht hat dann doch nich mehr hin gehauen. Der Leser mag sich denken: “Gott sei dank!” Tara und Boris machen auch Pause, quatschen allerdings aufm Sofa schon wieder über tiefe Themen...Erika kommt nach Hause. Ihr Bus zurück fährt schon am Sonntag nachmittag. Ihr bleibt es dann auch vorbehalten Ihr letztes Paar Söckchen in eine zunächst nicht näher zu identifizierende Flüssigkeit zu stellen, die gerade neben dem zuletzt vom Flaver benutzten Bett antrocknet...da haben andere der Legende nach schon schlechter abgeschnitten und sind an ihrem Erbrochenen erstickt...der Flaver hat’s im Schlaf neben das Bett gesetzt. Die zurück kehrenden Timo und Viviane müssen dann auch noch von einem weniger schönen und wohl durch Fremdeinfluß erwirkten GBL Trip balanciert werden...ja, da is die Zeitraffertechnik doch die beste Art drüber zu schreiben.

 

Bleibt immer noch ein Tag über und nach so einem Massaker ist Wellness bzw eine mentale Reinigung angesagt. Dafür haben erfahrene Konsumenten aber auch das richtige Mittel. Wenn auch oft verteufelt und verschrien. LSD ist ein herrliches Gemisch, um gewisse Geister hinter sich zu lassen und/oder sich dem unentdeckt herrlichen Bild vom Einklang der Farben und Formen hinzugeben. A walk through the hain, Ostkreuz, eine Holztür, die richtige Losung - die Rummelsbucht - eine Perle Sub Berlins. Der Türsteher vernichtet zunächst mal die Bild am Sonntag vom Flaver, erkennt dann den JBL Flip und lässt sich erst mal die technischen Daten erklären. Leider ist der Akku dessen komplett leer und verhindert so eine Vorführung. Aber seis drum. Der Chill Out Floor, seine Couches, sein kleines Kino und die abermillionen Plüschtiere untermalen ein fulminantes Down Tempo Set des DJ’s. Nur der Hunger reißt den Dicken und den Alten aus den LSD Träumen. Aber die Rettung ist nah...der Burgergrill am Ostkreuz übernimmt das in überragender Manier. In welchen Club außer der Rummelsbucht darf man dann noch einen komplett eingepackten, fertigen Burger zur Nahrungsversorgung der Lockigen offiziell mitnehmen darf, gilt es noch heraus zu finden...




 

Die alte Försterei 

 

Stadionfeierbesuch in unserer Feierhauptstadt. “Praise the Bahn”, ein Freifahrtticket deutschlandweit (für’s viele Fahren…)in der Tasche schnieft sich der Flaver an diesem Samstag Morgen Richtung der Sonderbaustelle Stuttgart 21. Selten der Fall, aber dieses Jahr hat ihn die Grippe doch erwischt. Gott sei Dank schauen sich früh morgens noch nicht so viele Menschen die Baustelle von einer der Bau-Aussichtspunkte an, so daß er bequem den Bahnsteig erreicht. Und Verspätungen sind auch selten um die Uhrzeit…

 

Cool, denkt er sich. Endlich mal wieder mit Ralle unnerwegs. Ralle heißt eigentlich Oliver. So nennt ihn rund um den Fussball allerdings schon lange niemand mehr. Ein Weltenbummler, viel gesehen, viel erfahren. Und ein Vollblut VfBler, wie man ihn sich besser kaum vorstellen kann. Er überbringt auch gleich die freudige Zusatzinformation, daß in FFM auch noch der ehemalige Präsident  und heutige Ehrenpräsident vom YNWA, Gerold Straube, zusteigt.

 

Ganz langsam entwickelt sich unser Gespräch in Richtung des alles immer wieder überragenden Themas...dem Geld - seiner Entwicklung vom Leistungswertgegenstand zum Schafott der westlichen Gesellschaft.

 

Politik, Alltag, Sport...kein Bereich, der nicht schon in irgendeiner Weise diesbezüglich thematisiert worden wäre…

 

ABer die drei Köpfe, die zwar immer wieder höflich die zierliche Studentin auf Platz 4 darauf hinweisen, sollte man sie inn irgendeiner Weise stören… - könnten nicht kontroverser sein. Und doch bestehen Zusammenhänge und Schnittmenge - da wird doch die ein oder andere These lautstark diskutiert - während Ralle auch noch seine Multi Tasking Fähigkeiten überprüft und seinen DAB Empfänger versucht in Gang zu bringen - wobei ihm hierfür eindeutig ein Orden für Hartnäckigkeit/Geduld zu verleihen ist. Gefühlte eineinhalb Stunden hat er das zierliche STudentenpassagierchen auf Platz 4 zutiefst beunruhigt. Blieb ihr dann aber doch erspart.

 

Jetzt kommt der Moment, an welchem eine kleine Zäsur im Kapitel anzukündigen ist. Denn wirklich lange hat sich der Flaver dann nicht aufgehalten in der Hauptstadt. Ein lang gehegtes Vorhaben lag durch seinen neuen Freund - die DB App - in greifbarer Nähe. Kurzerhand nach Leipzig zu fahren und mit den Genossen Mel B. und E-PUNk der Distillery - einem der ältesten & coolsten Techno Clubs Deutschlands einen Besuch abzustatten. Definitiv ein Club & eine Stadt, die man besucht haben sollte!

 

Ein vorbildlich sanierter & wunderschöner Kopfbahnhof, entspannte Leute, geiler Techno und ein Pärchen vor uns in der Schlange, daß wild über die Club- und Türpolitik vom Stuttgarter Lehmann diskutierte…

 

Laurent Garnier war nicht gut genug, um den Local DJ auf dem 2nd Floor zu übertreffen, Ding Ding, 1. Runde beendet - Rückfahrt nach Berlin!

 

Es verbleiben im weiteren Gedächtnis des Ausfluges ein Stadionschmuckkästchen in Köpenick, ein bizarrer Auftritt der drei Commandozeichen Fitschi, Fettsack und Zöpfle - Türe Kater - einen kurze Begegnung mit meiner Rezeptionistin und die Erkenntnis am nächsten Tag, daß der Montagszug nach Hause die richtige Entscheidung war!


 

Beesenstedt


 

Seit fast 15 Jahren geht der Flaver nun auf Festivals aller Art. Viele Geschichten und unvergessliche Momente haben der Nürburgring, das Southside, der Chiemsee, das Sonar und viele, viele mehr hinterlassen. Festivals sind nicht nur zelten, saufen, Drogen nehmen...Festivals stehen vor allem für ein Sammelsurium an herausragender Musik und Kunst. Mit Baujahr 76 noch Bob Dylan und Neil Young oder auch Jeff Mills gesehen zu haben, is wohl doch eher die Ausnahme…

 

Festivals stehen aber auch im Besonderen für ein Zusammentreffen außergewöhnlicher Menschen. Und seit einiger Zeit geht der Trend auch hier zu den außergewöhnlichen Plätzen - gerne auch mit weniger Menschen zurück. Musik, Wetterkapriolen und Bier reichen schon lange nicht mehr aus. Laser und Feuer waren gestern. Fahr doch mal vier Tage in ein altes Schloß/Gutsherrenhaus, mit einfachsten Mitteln in einen Abenteuerspielplatz für Raver verwandelt. Betten im Doppelzimmer oder Schlafsäälen im Sidehouse. Garniert mit dem ein oder anderen Old English Taxi oder 60er Jahre Mercedes. Für die etwas Anspruchsvolleren auch eine Suite oben unterm Dach. Der Rest ist vollgepackt mit Liebe, Sound und total verrückten Leuten, die man dann Montag morgens bei Frühstück und Tageslicht versucht wieder auseinander zu dividieren, weil die Nacht doch vieles in einem anderen Licht erscheinen lässt - tolles Wortspiel :-)

 

Live Musik, Theater, Bar Mixing, Essen und sogar eine Sonntags AfterHour im Garten mit den meist gespielten Tunes ever funktionieren wunderbar zusammen! Viel ist nicht hängen geblieben so kurz nach dem Event. Aber die guten Momente reichen für ein erstes Resümee. 

 

Ein selten so entspannter E-PUNk auf Freiersfüßen, Mel B. rastlos auf der Suche nach der Antwort und Ihrer Jacke, Mutter und Tochter S., ein ungewöhnlich harmonisch funktionierendes Gespann, mit viel Verstand, Neugier und Witz. Micha - genannt die Badewanne und Jule “Bäm Bäm”! Jonathan - meine erste Begegnung im Schloss und wie ich denke Bruder Im Geiste. Danke J., für Deinen kurzen Weltklasseauftritt auf Keta bei unserer AfterHour. Gus aus Australien und M. aus Kanada - wie verrückt muss man sein?!? Den vielen kleinen Helferlein und denen, die es mal noch werden, sei gesagt: Ihr tut das Richtige! Und die Organisatoren werden gebeten uns weiter mit solch tollen Events zu füttern. Rave on!




 

Ein Flaver im Schnee

 

Bevor die ersten Shitstorms über mich hinweg fegen...natürlich muss man den Stuttgarter Talkessel hinter sich lassen, um von Menschen zu erzählen, die auf Bergen stehen - und Pisten…

 

Das Phänomen Schnee gehört einfach zu selten zum Stuttgarter Stadt- & Klimabild. Vielleicht da draußen in Sindelfingen oder Maichingen oder gar gen Schwarzwald in...wie heißt’s - Calw! Da mögen wohl mal ein paar Schneebälle fliegen, Schlitten oder Kunststoffunterlagen für’s “Teufelsloch” klar gemacht werden. Aber die Stadt hätte diesen Traum in weiß auch ohne Kessellage innerhalb weniger Stunden in ein häßlich matschiges Graubraunschwarz verwandelt.

 

Millionen Autos & LKW’s bzw Feinstaub (ja auch im Winter…) lassen grüßen. Dazu die neuesten EU-Verordnungen, die einen Privatmann durchaus in den Ruin treiben können, sollte er mal vergessen haben vor fünf Uhr morgens Gehwege und Treppen in seinem Zuständigkeitsbereich gefahrlos begehbar zu machen. Oberschenkelhalsbruch inclusive.

 

Und so tut sich’s auch Frau Holle nur in den seltensten Ausnahmefällen an, einen Ausflug durch den Stuttgarter Kessel zu machen - wär ja Perle vor die Säu!

 

Andererseits liegen wir aber geografisch günstig, um in weniger als einer Tagesreise einen wahrlich sehenswerten Flecken Erde zu Gesicht zu bekommen. Denn wenn sich bei klarem Wetter kurz hinter Kempten die ersten verschneiten Alpengipfel zeigen, hat der Flachländer erstmal nur die Spitzen einer jahrtausende alten Landschaft und Gesellschaft erblickt. Die schier endlosen Kämme der Gipfel, die sich kilometerweit schlängeln neben Täler und Weiden. Mischwälder, soweit das Auge reicht und das meiste erscheint natürlich. Viel Holz, wenig Plastik…

ALDI gibt sich als Hofer zu erkennen. Hier trainiert sich auch keiner seinen Dialekt ab. Traditionen werden gepflegt und Innovationen gelebt. Nun wollte ich eigentlich gar kein neues Lobes Kufsteinlied auf die ganzen SchwippSchwapp Verwandten unseres ehemaligen Führers dichten...aber auch im Schnee ereignet sich dann doch die ein oder andere Technoanekdote. Apres Ski Berichte wären hier fehl am Platz. 4/4 Takt ja - ansonsten hat das bierzeltähnliche Musikprogramm wenig Schnittmenge mit der so geliebten Musik. Und feiern is auch schwierig in den Skigebieten. Der verköstigte Alkohol und die Müdigkeit nach Stunden auf den Brettern tun da oft ihr übriges.

 

Aber 3 Autos - eins davon mit interessanter (bestimmt nicht eingetragener) Stroboeffektbeleuchtung - eine dunkle österreichische Autobahn und eine anständige Bassline aus Auto 2 haben dem Flaver und seinem Anhang den Stau vor dem Fernpass dann doch außerordentlich erträglich gemacht. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß sich aus Auto 3 mindestens zwei Damen der Marke “Granate” pellten und den Moment perfektionierten indem sie - eine in barfuß, die andere ohne BH im Schlafrock - 57 Kräuter -kurz Jägermeister - reichten.

 

WIr sind bis dato nicht in Nauders angekommen und bestaunen weiterthin die Berglandschaft. Aber coole neue Leute aus TR-> ach ja, Trier kennen gelernt. Der wahrscheinlich erste und letzte Autobahnrave unseres Lebens.


 

Bahnwärter Thiel

 

Das Telefon klingelt. Vier gerade stoned gerauchte Gesichter schauen sich verdutzt und fragend in die dazu leicht Ketamin geschwängerten Augen!?! Nein, dafür haben wir nicht genug geraucht, dass wir alle vier gleichzeitig Halluzinationen hätten. Aber es ist eindeutig das wie in einer alten Telefonzelle aussehende Telefon dort drüben an der Wand des Outdoorfloors, welches da klingelt. D. geht ran: “Hallo? Wer is da? - Was, wer??? - Sagmal, von wo zum Teufel rufst Du an?” Die Antwort war “von der Toilette”, was nach ausgiebigem Gelächter und Bericht natürlich auch sofort überprüft wurde.

 

Mark Reeder’s “The B Movie - Lust & Sound in Berlin” traf den Nagel auf den Kopf. Eine extrem authentische und intensive Dokumentation über das (West-) Berlin der 80er Jahre, die mit Sicherheit nicht nur mich noch einmal 35 Jahre zurück gefegt hat. Was hat diese Stadt nicht alles mitmachen müssen. Durch die industrielle Revolution in 30 Jahren zwischen 1830 und 1860 von 30.000 auf 400.000 Menschen bevölkert. Dann Reichs- und zweimal Kriegshauptstadt. Insel der Demokratie und des Kapitals in der Zeit der sowjetischen Besatzung. Nase an Nase standen sie. Die Amis und die Russen am Checkpoint Charlie. Mehrfach rauchten bereits die Kanonenrohre der Panzer, wenn die Herren Chruschtow, Breschnew, Kennedy und Johnson mit den Säbeln rasselten. Nein, eine Mauer wollte Herr Ulbricht nicht bauen. Und kaum war der Soldat ohne Namen über die Stacheldrähte gesprungen, wurde der Osten eingemauert. Den kalten Krieg im Nacken zeichneten 25 Jahre lang die Studenten, Lebenskünstler, Freidenker & Kriegsdienstverweigerer den Weg.

 

30 Jahre später dann kam der Techno. Und auf einmal schien alles guud zu werden. Wer heute in die Hauptstadt kommt, weiß, daß nicht alles gut und zu blühenden Landschaften geworden ist…

Aber gerade dieses Sammelsurium und Auffangbecken hunderttausender Kreativer, Freigeister, Assozialer...zeigt immer wieder aufs Neue, dass auch unsere gnadenlose Konsumgesellschaft am untersten Rand in ständigem Auf- & Umbruch steht.

 

Genug gefaselt. Der Flaver hatte seine Lieben um sich geschart, um nach einiger Zeit mal wieder den elektronischen Zirkus bei Tag und bei Nacht rund um seinen Geburtstag zu erleben! Und was dann kam, geht in die unbekannten Geschichte von Berlin ein. Ein Massaker, welches nur in Ausschnitten rückblickend zusammen gefasst werden kann. 

Ankunft Mittwoch Abend. Nachdem die Bahn & Busfahrer zum Teil bereits eingetroffen sind und das gemietete Appartment bereits in Beschlag genommen haben, gestaltet sich für den Dicken und den Alten der Ankommenteil etwas schwierig. Die Hausnummer ist im unbebauten, bebauten und sich im Bau befindlichen Areal rund um den Ostbahnhof nicht zu finden. Erst einige Telefonate und erste Nervenzusammenbrüche später gibt’s dann das große Hallo. Erste Feststellung: das Berghain ist gerade einmal einen Steinwurf entfernt! Aber der Flaver will sich nicht gleich am ersten Abend Blöße geben und entscheidet sich für einen gechillten Abend mit Boris Auxilio, während die große Gruppe dem Wummern aus dem Tresor erliegt.

Selbstverständlich endet der gechillte Abend in einem Feuerwerk aus Speed, Gras, Haschisch, BlaBla und Pink Floyd. Erstmal noch kurz Frühstück organisieren, bevor der Rest zuhause einfällt…

Was steht an? Schlafen kommt vorerst nicht in die Tüte und es wollen Souvenirs für die Schwestern und Freunde daheim organisiert werden. Ein wenig von der Stadt sehen - durchaus auch noch zu überlegen. Bindfadenregen und lausige 9 Grad machen diesem Vorhaben allerdings schnell einen STrich durch die Rechnung. Souvenirs kaufen, essen und das Käthe Kollwitz Denkmal fotografieren müssen reichen…

 

10 Leute in einem Drei Zimmer Appartment. Das ergibt nicht nur lebendiges Treiben, Gekoche und Gekicher, Warteschlangen vor dem Badezimmer, ständig wechselnde Musik oder fliegender Wechsel in den 6 Betten...das ergibt auch schnell gute Pläne und eine gewisse Eigenständigkeit aller Personen, denn alle bekommt man selten unter einen Hut. Das noch zwei Leute sich in der Anreise befinden und Infos zur Unterkunft und Aufmachservice benötigen gerät da natürlich schnell mal in Vergessenheit. Und daher zählen wir die 2 Stunden Schlaf des Flavers am Abend nur als Randnotiz. Allerdings sollten es die vorerst letzten gewesen sein!

 

Karaoke ist zum Reinfeiern in den Geburtstag angedacht. Gott sei Dank ist mit Susanne ja ein Local mit an Bord, der sich vorab bereits um eine gescheite Karaoke Bar incl. Reservierung bemüht hat. Hier versagen die Künste von google Maps allerdings wohl rudimentär! Man trägt das Etablissment und seine Ausstattung bzw Service aber mit Fassung und feiert trotzdem einen lexendären Geburtstag und Auftakt in das Wochenende! Wann immer und wo immer seitdem Bohemian Rhapsody erklingt, singt Boris irgendwie ein bißchen mit!

 

Wilde Renate...ein Schuppen der irgendwas mit Crack hieß zum guten Morgen...fließender Übergang in den Freitag und es kommt was kommen musste. Tara, Erika & der Flaver biegen ins Berghain ab. Is ja auch so schön nah...bekommt man gar kein schlechtes Gewissen mehr oder weniger gar nich zu Hause gewesen zu sein. Tara beginnt das bunte Kotzen mit einem beherzten Strahl ins dunkle der Eingangshalle. Seth Troxler killt die Panorama Bar. Fremde Menschen und Gesichter zucken, die Bumsboxen sind nicht zum Speed ziehen geeignet - zu hoch ist die Wahrscheinlichkeit mit Flüssigkeiten in Kontakt zu kommen - Erika checkt den Barkeeper ab. Der Flaver rettet eine Irin vor einem MDMA Lover und der Samstag ist bereits 14 h alt, als die Crew inclusive Irin das Appartment erreicht. Was dort folgt, geht als die Ketaschlacht im Friedrichshain in die Annalen. Englisch geht einem ketaminiert leichter über die Lippen, der irische Gast erreicht noch Ihr Flugzeug nach Hause um 19.45 Uhr. Über alles Weitere legen wir behutsam den Mantel des Schweigens. Kann eh keiner drüber lachen, der nich dabei war…

 

Jetzt isses Samstag Nacht 4 Uhr irgendwas und der Flaver wacht im Bett auf, hustet sich kurz fast die Bronchien aus dem Leib und erkennt die Lage. Watergate und Keine Musik label Nacht hat dann doch nich mehr hin gehauen. Der Leser mag sich denken: “Gott sei dank!” Tara und Boris machen auch Pause, quatschen allerdings aufm Sofa schon wieder über tiefe Themen...Erika kommt nach Hause. Ihr Bus zurück fährt schon am Sonntag nachmittag. Ihr bleibt es dann auch vorbehalten Ihr letztes Paar Söckchen in eine zunächst nicht näher zu identifizierende Flüssigkeit zu stellen, die gerade neben dem zuletzt vom Flaver benutzten Bett antrocknet...da haben andere der Legende nach schon schlechter abgeschnitten und sind an ihrem Erbrochenen erstickt...der Flaver hat’s im Schlaf neben das Bett gesetzt. Die zurück kehrenden Timo und Viviane müssen dann auch noch von einem weniger schönen und wohl durch Fremdeinfluß erwirkten GBL Trip balanciert werden...ja, da is die Zeitraffertechnik doch die beste Art drüber zu schreiben.

 

Bleibt immer noch ein Tag über und nach so einem Massaker ist Wellness bzw eine mentale Reinigung angesagt. Dafür haben erfahrene Konsumenten aber auch das richtige Mittel. Wenn auch oft verteufelt und verschrien. LSD ist ein herrliches Gemisch, um gewisse Geister hinter sich zu lassen und/oder sich dem unentdeckt herrlichen Bild vom Einklang der Farben und Formen hinzugeben. A walk through the hain, Ostkreuz, eine Holztür, die richtige Losung - die Rummelsbucht - eine Perle Sub Berlins. Der Türsteher vernichtet zunächst mal die Bild am Sonntag vom Flaver, erkennt dann den JBL Flip und lässt sich erst mal die technischen Daten erklären. Leider ist der Akku dessen komplett leer und verhindert so eine Vorführung. Aber seis drum. Der Chill Out Floor, seine Couches, sein kleines Kino und die abermillionen Plüschtiere untermalen ein fulminantes Down Tempo Set des DJ’s. Nur der Hunger reißt den Dicken und den Alten aus den LSD Träumen. Aber die Rettung ist nah...der Burgergrill am Ostkreuz übernimmt das in überragender Manier. In welchen Club außer der Rummelsbucht darf man dann noch einen komplett eingepackten, fertigen Burger zur Nahrungsversorgung der Lockigen offiziell mitnehmen darf, gilt es noch heraus zu finden...




 

Die alte Försterei 

 

Stadionfeierbesuch in unserer Feierhauptstadt. “Praise the Bahn”, ein Freifahrtticket deutschlandweit (für’s viele Fahren…)in der Tasche schnieft sich der Flaver an diesem Samstag Morgen Richtung der Sonderbaustelle Stuttgart 21. Selten der Fall, aber dieses Jahr hat ihn die Grippe doch erwischt. Gott sei Dank schauen sich früh morgens noch nicht so viele Menschen die Baustelle von einer der Bau-Aussichtspunkte an, so daß er bequem den Bahnsteig erreicht. Und Verspätungen sind auch selten um die Uhrzeit…

 

Cool, denkt er sich. Endlich mal wieder mit Ralle unnerwegs. Ralle heißt eigentlich Oliver. So nennt ihn rund um den Fussball allerdings schon lange niemand mehr. Ein Weltenbummler, viel gesehen, viel erfahren. Und ein Vollblut VfBler, wie man ihn sich besser kaum vorstellen kann. Er überbringt auch gleich die freudige Zusatzinformation, daß in FFM auch noch der ehemalige Präsident  und heutige Ehrenpräsident vom YNWA, Gerold Straube, zusteigt.

 

Ganz langsam entwickelt sich unser Gespräch in Richtung des alles immer wieder überragenden Themas...dem Geld - seiner Entwicklung vom Leistungswertgegenstand zum Schafott der westlichen Gesellschaft.

 

Politik, Alltag, Sport...kein Bereich, der nicht schon in irgendeiner Weise diesbezüglich thematisiert worden wäre…

 

ABer die drei Köpfe, die zwar immer wieder höflich die zierliche Studentin auf Platz 4 darauf hinweisen, sollte man sie inn irgendeiner Weise stören… - könnten nicht kontroverser sein. Und doch bestehen Zusammenhänge und Schnittmenge - da wird doch die ein oder andere These lautstark diskutiert - während Ralle auch noch seine Multi Tasking Fähigkeiten überprüft und seinen DAB Empfänger versucht in Gang zu bringen - wobei ihm hierfür eindeutig ein Orden für Hartnäckigkeit/Geduld zu verleihen ist. Gefühlte eineinhalb Stunden hat er das zierliche STudentenpassagierchen auf Platz 4 zutiefst beunruhigt. Blieb ihr dann aber doch erspart.

 

Jetzt kommt der Moment, an welchem eine kleine Zäsur im Kapitel anzukündigen ist. Denn wirklich lange hat sich der Flaver dann nicht aufgehalten in der Hauptstadt. Ein lang gehegtes Vorhaben lag durch seinen neuen Freund - die DB App - in greifbarer Nähe. Kurzerhand nach Leipzig zu fahren und mit den Genossen Mel B. und E-PUNk der Distillery - einem der ältesten & coolsten Techno Clubs Deutschlands einen Besuch abzustatten. Definitiv ein Club & eine Stadt, die man besucht haben sollte!

 

Ein vorbildlich sanierter & wunderschöner Kopfbahnhof, entspannte Leute, geiler Techno und ein Pärchen vor uns in der Schlange, daß wild über die Club- und Türpolitik vom Stuttgarter Lehmann diskutierte…

 

Laurent Garnier war nicht gut genug, um den Local DJ auf dem 2nd Floor zu übertreffen, Ding Ding, 1. Runde beendet - Rückfahrt nach Berlin!

 

Es verbleiben im weiteren Gedächtnis des Ausfluges ein Stadionschmuckkästchen in Köpenick, ein bizarrer Auftritt der drei Commandozeichen Fitschi, Fettsack und Zöpfle - Türe Kater - einen kurze Begegnung mit meiner Rezeptionistin und die Erkenntnis am nächsten Tag, daß der Montagszug nach Hause die richtige Entscheidung war!


 

Beesenstedt


 

Seit fast 15 Jahren geht der Flaver nun auf Festivals aller Art. Viele Geschichten und unvergessliche Momente haben der Nürburgring, das Southside, der Chiemsee, das Sonar und viele, viele mehr hinterlassen. Festivals sind nicht nur zelten, saufen, Drogen nehmen...Festivals stehen vor allem für ein Sammelsurium an herausragender Musik und Kunst. Mit Baujahr 76 noch Bob Dylan und Neil Young oder auch Jeff Mills gesehen zu haben, is wohl doch eher die Ausnahme…

 

Festivals stehen aber auch im Besonderen für ein Zusammentreffen außergewöhnlicher Menschen. Und seit einiger Zeit geht der Trend auch hier zu den außergewöhnlichen Plätzen - gerne auch mit weniger Menschen zurück. Musik, Wetterkapriolen und Bier reichen schon lange nicht mehr aus. Laser und Feuer waren gestern. Fahr doch mal vier Tage in ein altes Schloß/Gutsherrenhaus, mit einfachsten Mitteln in einen Abenteuerspielplatz für Raver verwandelt. Betten im Doppelzimmer oder Schlafsäälen im Sidehouse. Garniert mit dem ein oder anderen Old English Taxi oder 60er Jahre Mercedes. Für die etwas Anspruchsvolleren auch eine Suite oben unterm Dach. Der Rest ist vollgepackt mit Liebe, Sound und total verrückten Leuten, die man dann Montag morgens bei Frühstück und Tageslicht versucht wieder auseinander zu dividieren, weil die Nacht doch vieles in einem anderen Licht erscheinen lässt - tolles Wortspiel :-)

 

Live Musik, Theater, Bar Mixing, Essen und sogar eine Sonntags AfterHour im Garten mit den meist gespielten Tunes ever funktionieren wunderbar zusammen! Viel ist nicht hängen geblieben so kurz nach dem Event. Aber die guten Momente reichen für ein erstes Resümee. 

 

Ein selten so entspannter E-PUNk auf Freiersfüßen, Mel B. rastlos auf der Suche nach der Antwort und Ihrer Jacke, Mutter und Tochter S., ein ungewöhnlich harmonisch funktionierendes Gespann, mit viel Verstand, Neugier und Witz. Micha - genannt die Badewanne und Jule “Bäm Bäm”! Jonathan - meine erste Begegnung im Schloss und wie ich denke Bruder Im Geiste. Danke J., für Deinen kurzen Weltklasseauftritt auf Keta bei unserer AfterHour. Gus aus Australien und M. aus Kanada - wie verrückt muss man sein?!? Den vielen kleinen Helferlein und denen, die es mal noch werden, sei gesagt: Ihr tut das Richtige! Und die Organisatoren werden gebeten uns weiter mit solch tollen Events zu füttern. Rave on!