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EINE FLUßFAHRT (Chapter 11)

 

Nehmen wir mal an, der Flaver wäre Klabautermann und würde das Reisen zu Wasser, etwaigen Zeit- oder Routenaspekten, vorziehen…

 

Er würde einen langen beschwerlichen Weg den Neckar und den Rhein hinab in den Main auf sich nehmen. Vorbei an den kilometerlangen Weinbergen von Neckar- und Unterland. Vorbei an so mondänen wie langweiligen Orten namens Heilbronn und Mosbach. Das ehrliche Mannheim als Rheinschleuse benutzen, um sich dann Richtung einer der Hauptniederlassungen der deutschen Technoszene aufzumachen. Weithin wäre die Skyline von Mainhatten oder auch Frankfurt zu sehen. Diese Stadt, die für den deutschen Kapitalismus und seine Skandalbanker steht. In der jede Sekunde eines Börsentags Milliarden an Euro hin und her geschoben werden. Hier ist der nächste Schuldenschnitt für die europäischen Patienten durch gewunken, noch ehe sich Wolfgang Schäuble gezwungen sieht, über die kommende Tranche aus dem Hilfspaket für Frankreich zu sprechen. Aber hier wird auch seit Beginn der 80er Jahre elektronische Musik gemacht. Sven Väth, Pascal Feos, Karotte oder Johannes Heil; Labels wie CoCoon oder ??? und nicht zuletzt die Kult Clubs U60, Dorian Gray oder Vinyl Bar, stehen für eine geballte Ladung an kompetenten, hoch komplexen Techno Netzwerken.

 

Mindestens einmal im Jahr zieht es den Flaver hierhin. An und auf den Main. Denn jährlich lädt der ehemalige Club Monza seine Freunde und Supporter zur fröhlichen Technodampfschifffahrt. Wenn also 200 bunt gemischte, lustig zum Motto verkleidete oder wegen des Sommers halbnackte, Menschen auf der Johann Wolfgang von Goethe den Main, seine Brücken, Schleusen und Atomkraftwerke feiern, dann ist „two.birds Riverdisco“!

 

Hier müssen jährlich Engel reisen, denn in 18 Jahren war noch keine einzige Fahrt bei Regen dabei. Und so aalt sich der Flaver an einem Augustsamstag im Jahr auf dem Vorderdeck der J.W.v.G oder tanzt sich mit vielen, über die Jahre lieb gewonnen Freunden und Bekannten, die Seele aus dem Leib. Eine ganz besondere Atmosphäre begleitet uns dann. Mindestens ein DJ und Guccy fallen verhaltensbedingt aus der Reihe und nach zwei Stunden sind die Gummibärchen alle…

 

Mann was hat der „harte Kern“ sich nich wieder alles einfallen lassen: Blumenspritzen gepaart mit Ventilatoren; Luftschlangen; herausragend vor allem die beiden Kakteen links und rechts zum DJ – getreu dem Motto „Fiesta Mexicana“. Weglaufen kann eh keiner, also gibt sich jeder auf seine Art und Weise dem gemeinschaftlichen Miteinander hin. So fallen eingeschränkte Lautstärke während der Schleusenpassagen und der eine zugeknallte DJ gar nicht auf. Im gleißend erleuchteten Abendrot der Frankfurter Skyline legt die Johann Wolfgang von Goethe unter dem Eisernen Steg an und der Flaver nimmt den ICE zurück nach Stuttgart.